1. Name der Methode
Just-in-Time (JIT)
2. Alternative Bezeichnungen
Pünktlich – das Toyota-Produktionssystem (das ist eine seiner Säulen)
3. Kurze Beschreibung
JIT ist eine Produktions- und Logistikstrategie, deren Ziel es ist, nur das zu produzieren und zu liefern, was benötigt wird, wann es benötigt wird und nur in der Menge, die benötigt wird. Dadurch werden Lagerbestände (an Material, unfertigen und fertigen Erzeugnissen) minimiert oder vollständig beseitigt.
4. Zweck / Wann anzuwenden
Es wird eingesetzt, um Verschwendung (Muda) – insbesondere in Form von Überbeständen – drastisch zu reduzieren und die Flexibilität sowie die Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenanforderungen zu erhöhen. Es ist der Grundpfeiler des Lean-Managements.
5. Vorgehensweise / So wird es angewendet
JIT ist kein einzelnes Instrument, sondern ein System, das auf mehreren Prinzipien basiert:
1. Pull-System: Die Produktion wird durch die tatsächliche Nachfrage aus dem nachfolgenden Schritt (oder vom Endkunden) gesteuert, nicht durch einen zentralen Plan. Als Instrument wird häufig Kanban eingesetzt.
2. Kontinuierlicher Fluss (Continuous Flow): Die Organisation der Produktion so, dass die Produkte den Prozess kontinuierlich durchlaufen, ohne Wartezeiten und ohne Ansammlung von Beständen zwischen den Arbeitsschritten. Ideal ist der „One-Piece-Flow“ (Ein-Stück-Fluss).
3. Kurze Taktzeit: Die Synchronisierung der Produktionsgeschwindigkeit mit der Kundennachfrage.
4. Schnelle Umrüstungen (SMED): Die Fähigkeit, die Linie schnell und effizient umzurüsten, ermöglicht die Produktion in kleinen Losgrößen.
5. Hohe Qualität an der Quelle (Jidoka): Ein System mit Null-Beständen kann es sich nicht leisten, Ausschuss zu produzieren. Die Qualität muss in jedem Schritt sichergestellt sein.
6. Zuverlässige Lieferanten: Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, die in der Lage sind, kleine Materialmengen häufig und pünktlich zu liefern.
6. Beispiel aus der Praxis
Toyota ist ein klassisches Beispiel dafür. Der Sitzlieferant hat sein Werk direkt neben der Montagelinie von Toyota. Wenn ein Fahrzeug einer bestimmten Farbe und Ausstattung zur Sitzmontage ankommt, sendet das System ein Signal an den Zulieferer, der innerhalb weniger Minuten genau den richtigen Sitz direkt an die Montagelinie liefert. Toyota hält somit keine Sitzvorräte vor.
7. Vorteile
- Drastische Senkung der in den Lagerbeständen gebundenen Kosten.
– Verbesserung des Cashflows.
– Qualitätssteigerung: Probleme werden sofort erkannt, da sie sich nicht in den Lagerbeständen verbergen.
– Erhöht die Flexibilität und verkürzt die Durchlaufzeiten.
- Spart Platz in der Fabrik.
8. Risiken / Grenzwerte
- Hohe Anfälligkeit gegenüber Unterbrechungen: Das System reagiert sehr empfindlich auf jegliche Ausfälle (Maschinenausfall, Lieferverzögerung, Qualitätsprobleme). Es verfügt über keine „Puffer“ in Form von Lagerbeständen.
– Es erfordert extrem stabile und zuverlässige Prozesse.
– Starke Abhängigkeit von Lieferanten.
– Die Umsetzung ist komplex und langwierig.
9. Tipps aus der Praxis
- Bei JIT geht es nicht nur um Lagerbestände: Es handelt sich um eine umfassende Philosophie. Sich ausschließlich auf die Reduzierung der Lagerbestände zu konzentrieren, ohne die anderen Elemente (Qualität, SMED, Stabilität) umzusetzen, führt zur Katastrophe.
- Beginnen Sie mit internem JIT: Führen Sie JIT zunächst zwischen den eigenen Abteilungen ein und weiten Sie es erst danach auf externe Lieferanten aus.
- JIT vs. JIC (Just-in-Case): JIT ist das Gegenteil des traditionellen „Just-in-Case“-Ansatzes, bei dem sich Unternehmen durch das Halten großer Lagerbestände gegen Unsicherheiten absichern.