1. Juli 2025

#39 Zeitstudie (Zeitbild)

Kaizen Tracker ist nicht „nur“ eine Software oder ein Start-up, sondern eine seit Langem bewährte Lösung für einen systematischen, projektorientierten Ansatz bei Prozessen der kontinuierlichen Verbesserung, die wir ständig weiterentwickeln.

Kaizen-Tracker
Mitglied des Kaizen-Tracker-Teams

1. Name der Methode

Zeitstudie (Zeitbild)

2. Alternative Bezeichnungen

Zeitstudie, Erfassung der Arbeitszeit

3. Kurze Beschreibung

Die Zeitstudie ist eine strukturierte Methode zur Beobachtung und Messung der Zeit, die ein qualifizierter Mitarbeiter bei normalem Arbeitstempo zur Ausführung einer definierten Aufgabe benötigt. Ziel ist es, eine „Normzeit“ für den jeweiligen Arbeitsgang festzulegen.

4. Zweck / Wann anzuwenden

Es wird zur Festlegung von Leistungsstandards, zur Kapazitätsplanung, zur Kostenkalkulation, zum Ausgleich von Produktionslinien und als Grundlage für Vergütungssysteme verwendet. Es ist ein grundlegendes Instrument des Wirtschaftsingenieurwesens.

5. Vorgehensweise / So wird es angewendet

1. Aufgabe auswählen und definieren: Definieren Sie die zu messende Aufgabe genau, einschließlich ihres Start- und Endpunkts.
2. Unterteilen Sie die Aufgabe in Elemente: Zerlegen Sie die Aufgabe in kleinere, leicht messbare Schritte (Elemente).
3. Informieren Sie den Mitarbeiter: Erklären Sie dem Mitarbeiter den Zweck der Messung, um Stress und den „Hawthorne-Effekt“ zu verringern. Wählen Sie einen durchschnittlich qualifizierten Mitarbeiter aus.
4. Messen und beobachten: Messen Sie mit einer Stoppuhr die Dauer jedes Elements über mehrere Zyklen hinweg (z. B. 10–20 Wiederholungen).
5. Bewerte das Arbeitstempo (Performance Rating): Der Beobachter bewertet das Arbeitstempo des Bedieners im Vergleich zum „Standardtempo“ (100 %). Arbeitet der Mitarbeiter schneller (z. B. 110 %), wird die Zeit nach oben angepasst. Arbeitet er langsamer (z. B. 90 %), wird die Zeit nach unten korrigiert. Es wird die sogenannte „Grundzeit“ berechnet.
6. Zuschläge hinzufügen (Allowances): Zur Grundzeit werden Zuschläge für persönliche Bedürfnisse, Ermüdung und unvermeidbare Ausfallzeiten (in Prozent) hinzugerechnet.
7. Berechne die Normzeit: Normzeit = Grundzeit * (1 + Zuschläge).

6. Beispiel aus der Praxis

In der Montagehalle wurde der Arbeitsgang „Eindrehen von 4 Schrauben“ gemessen. Die beobachtete Zeit betrug 20 Sekunden. Der Beobachter bewertete das Arbeitstempo des Bedieners mit 110 % (er arbeitete schneller als normal). Basiszeit = 20 s * 1,10 = 22 Sekunden. Hinzu kam ein Zuschlag von 15 % für Ermüdung und persönliche Bedürfnisse. Standardzeit = 22 s * 1,15 = 25,3 Sekunden.

7. Vorteile

- Bietet eine objektive Grundlage: Ermöglicht die Festlegung von Standards und die Planung auf der Grundlage von Messungen statt Schätzungen.
- Aufdeckung von Ineffizienzen: Eine detaillierte Analyse der einzelnen Elemente deckt unnötige Bewegungen und Verschwendung auf.
- Vergleichsgrundlage: Ermöglicht den Vergleich der Effizienz verschiedener Arbeitsmethoden.
- Fairness: Bietet eine gerechte Grundlage für die Leistungsbewertung und Vergütung.

8. Risiken / Grenzwerte

- Subjektivität bei der Bewertung des Arbeitstempos: Die Bewertung des Arbeitstempos ist der kritischste und subjektivste Schritt, der einen erfahrenen Beobachter erfordert
.- „Hawthorne-Effekt“: Ein Mitarbeiter kann sein Verhalten ändern, weil er beobachtet wird.
- Anspannung und Misstrauen: Wird die Methode schlecht kommuniziert, kann sie Misstrauen hervorrufen und den Eindruck erwecken, dass die Unternehmensleitung lediglich „die Standards anheben“ will
.- Ungeeignet für kreative Arbeit: Die Methode ist für sich wiederholende, manuelle Aufgaben gedacht.

9. Tipps aus der Praxis

- Kommunikation ist entscheidend: Erklären Sie den Mitarbeitern ausführlich, warum Sie die Messung durchführen und wie die Ergebnisse genutzt werden
.- Nutzen Sie die Videoanalyse: Die Videoaufzeichnung des Arbeitsablaufs ermöglicht eine genauere Analyse und wiederholte Bewertung des Arbeitstempos.
- Work Sampling: Bei langen und unregelmäßigen Aufgaben sollten Sie die alternative Methode „Work Sampling“ (Arbeitsproben) in Betracht ziehen, die weniger invasiv ist.

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