1. Name der Methode
C&E-Diagramm (Cause and Effect / Ursache und Wirkung)
2. Alternative Bezeichnungen
Ishikawa-Diagramm (benannt nach seinem Erfinder Kaoru Ishikawa), Fishbone-Diagramm (Fischgräten-Diagramm)
3. Kurze Beschreibung
Das Ishikawa-Diagramm ist ein visuelles Instrument für Brainstorming und strukturierte Analyse, das einem Team dabei hilft, alle möglichen Ursachen eines bestimmten Problems (einer bestimmten Auswirkung) zu identifizieren. Die grafische Darstellung erinnert an ein Fischskelett, wobei der „Kopf“ das Problem darstellt und die „Gräten“ die Hauptkategorien möglicher Ursachen.
4. Zweck / Wann anzuwenden
Es wird in der analytischen Phase der Problemlösung (z. B. „Analyze“ im DMAIC-Zyklus, „Plan“ im PDCA-Zyklus) zur systematischen Untersuchung aller potenziellen Grundursachen eingesetzt. Es ist ein hervorragendes Instrument für das Brainstorming im Team, das sicherstellt, dass kein wichtiger Bereich übersehen wird.
5. Vorgehensweise / So wird es angewendet
1. Definieren Sie das Problem (Fischkopf): Schreiben Sie auf die rechte Seite des Papiers oder der Tafel ein klar definiertes Problem (Folge) und zeichnen Sie dazu eine dicke Linie („Rückengrat“) nach links.
2. Legen Sie die Hauptursachenkategorien fest (Hauptknochen): Zeichnen Sie schräge Linien, die vom „Rückgrat“ ausgehen. Jede davon steht für eine Kategorie. Die traditionellen Kategorien (vor allem in der Produktion) sind die 6M:
– Man (Mensch): Faktoren im Zusammenhang mit Menschen (Schulung, Ermüdung, Erfahrung)
- Machine (Maschine): Ausrüstung, Werkzeuge,
Wartung- Method (Methode): Verfahren, Anweisungen,
Standards- Material (Material): Rohstoffe, Teile, Verbrauchsmaterialien-
Measurement (Messung): Messgeräte, Kalibrierung,
Definitionen- Mother Nature/Environment (Umgebung): Temperatur, Lärm, Kultur
3. Brainstorming zu den Ursachen (kleinere Würfel): Das Team geht nacheinander jede Kategorie durch und entwickelt Ideen zu konkreten Ursachen, die zu dem Problem beigetragen haben könnten. Jede Ursache wird auf einen kleinen „Knochen“ geschrieben, der an die entsprechende Hauptkategorie angehängt wird.
4. Suche nach tiefer liegenden Ursachen: Frage bei jeder identifizierten Ursache: „Warum passiert das?“ (wende die „5-Why“-Technik an), um eine weitere Detailebene zu erreichen und noch kleinere „Knochen“ hinzuzufügen.
5. Identifiziere die wahrscheinlichsten Ursachen: Nach Abschluss des Brainstormings diskutiert das Team und stimmt ab (z. B. mittels Dot Voting), welche der identifizierten Ursachen am wahrscheinlichsten sind und anhand von Daten weiter überprüft werden sollten.
6. Beispiel aus der Praxis
Problem (Ursache): Verbrannte Pizza.
– Person: Neuer Koch, schlechte Einweisung, Unachtsamkeit.
– Gerät (Ofen): Falsch eingestellter Thermostat, ungleichmäßiges Backen, defekter Timer.
– Methode: Falsches Rezept, unklare Vorgehensweise, zu lange Backzeit im Standardmodus.
- Material: Zu dünner Teig, andere Käsesorte (verbrennt schneller).
- Messung: Ungenaue Temperaturanzeige im Ofen
.- Umgebung: Stress und Hektik während der Mittagsspitzenzeit.
7. Vorteile
- Strukturiertes Brainstorming: Stellt sicher, dass das Team alle Aspekte des Problems systematisch durchdenkt
.- Hohes Engagement des Teams: Es handelt sich um eine visuelle und interaktive Methode, die das gesamte Team einbezieht.
- Fokus auf Ursachen statt Symptome: Hilft dem Team, über die offensichtlichen Probleme hinauszuschauen.
- Übersichtliche Visualisierung: Schafft einen umfassenden Überblick über alle möglichen Ursachen an einem Ort.
8. Risiken / Grenzwerte
- Es kann komplex und unübersichtlich sein: Wenn das Team zu viele Ursachen ermittelt, kann das Diagramm unlesbar werden.
- Es handelt sich lediglich um eine Liste von Meinungen: Das Diagramm selbst überprüft nicht, welche Ursachen tatsächlich zutreffen. Es handelt sich lediglich um eine Liste von Hypothesen, die anhand von Daten weiter überprüft werden müssen
.- Falsche Kategorisierung: Ursachen können mehreren Kategorien zugeordnet werden, was zu Diskussionen führen kann, die das Problem nicht lösen.
- Oberflächlichkeit: Wenn das Team die „5 Whys“-Methode nicht anwendet, um tieferliegende Ursachen zu ermitteln, bleibt die Analyse oberflächlich.
9. Tipps aus der Praxis
- Die 6M-Kategorien sind kein Dogma: Für Verwaltungs- oder Serviceprozesse sind oft andere Kategorien besser geeignet, z. B. 4P (Policies, Procedures, People, Plant/Technology) oder 4S (Surroundings, Suppliers, Systems, Skills).
- Lassen Sie das Diagramm „leben“: Bereiten Sie das Diagramm im Voraus vor und hängen Sie es an einer gut sichtbaren Stelle auf. Teammitglieder können nach und nach Ideen hinzufügen, sobald ihnen etwas einfällt.
- Kombinieren Sie es mit der Pareto-Analyse: Verwenden Sie zunächst die Pareto-Analyse, um das Hauptproblem zu identifizieren (z. B. „Verbrannte Pizza ist die häufigste Beschwerde“), und nutzen Sie anschließend das Ishikawa-Diagramm, um dessen Ursachen zu analysieren.