1. Name der Methode
Open-Space-Technologie (OST)
2. Alternative Bezeichnungen
Open Space, Unkonferenz
3. Kurze Beschreibung
Open Space ist eine Methode zur Organisation und Moderation von Treffen oder Konferenzen, bei der die Teilnehmer die Tagesordnung selbst gestalten und steuern. Sie basiert auf dem Prinzip der Selbstorganisation rund um die Themen, die für die Teilnehmer am wichtigsten sind.
4. Zweck / Wann anzuwenden
Sie wird bei der Lösung komplexer und dringender Probleme eingesetzt, bei denen das Engagement und die Kreativität einer großen und heterogenen Gruppe von Menschen (von 20 bis 2000+) erforderlich sind. Sie eignet sich ideal, wenn es keine eindeutige Lösung gibt und schnell Ideen sowie Aktionspläne entwickelt werden müssen.
5. Vorgehensweise / So wird es angewendet
1. Vorbereitung: Der Moderator richtet den Raum mit einem zentralen Stuhlkreis und einer großen Wand („Marktplatz“) her, an der die Tagesordnung angebracht wird.
2. Eröffnung: Der Moderator erläutert das Hauptthema und stellt 4 Prinzipien sowie 1 Gesetz vor:
– Prinzipien: 1. Wer auch immer kommt, ist der richtige Mensch. 2. Was auch immer geschieht, ist das Einzige, was geschehen konnte. 3. Es beginnt, wenn die richtige Zeit gekommen ist. 4. Es endet, wenn es vorbei ist.
– Das Gesetz der zwei Füße (The Law of Two Feet): Wenn du dich in einer Situation befindest, in der du weder etwas lernst noch einen Beitrag leistest, nutze deine zwei Füße und begib dich an einen Ort, an dem du nützlicher bist.
3. Erstellung der Tagesordnung: Teilnehmer, die ein Thema haben, über das sie diskutieren möchten, schreiben es auf ein Blatt Papier, teilen es den anderen mit und platzieren es auf dem „Marktplatz“ in einem bestimmten Zeit- und Ortsfenster.
4. Gruppendiskussionen: Die Teilnehmer bewegen sich je nach Interesse frei zwischen den Diskussionsgruppen hin und her (dank des Gesetzes der zwei Beine).
5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Konvergenz: Die Ergebnisse jeder Diskussion werden festgehalten, am Ende werden alle zusammengefasst und die nächsten Schritte vereinbart.
6. Beispiel aus der Praxis
Die Stadt möchte eine neue Entwicklungsstrategie erarbeiten und lädt 100 Bürger, Unternehmer und Aktivisten zu einem ganztägigen Open-Space-Event ein. Zu den Themen gehören beispielsweise „Wie lässt sich der Radverkehr verbessern?“, „Mehr Grün in der Stadt“ oder „Förderung lokaler Unternehmen“. Im Laufe des Tages werden konkrete Ideen entstehen und Arbeitsgruppen gebildet, die die Themen weiterbearbeiten werden.
7. Vorteile
- Hohes Engagement und viel Energie: Die Teilnehmer diskutieren Themen, die sie wirklich interessieren
.- Schnelle und effektive Lösung komplexer Probleme
.- Fördert Selbstorganisation und Eigenverantwortung
.- Geeignet für große Gruppen.
8. Risiken / Grenzwerte
- Erfordert Mut seitens der Organisatoren: Führungskräfte müssen bereit sein, die Kontrolle über die Tagesordnung abzugeben
.- Kann chaotisch wirken: Für Menschen, die an traditionelle Besprechungen gewöhnt sind, kann das anfängliche Chaos unangenehm sein.
- Ungeeignet für einfache Themen: Es ist sinnlos, wenn Sie lediglich eine bereits getroffene Entscheidung präsentieren möchten
.- Ergebnisse sind nicht garantiert: Die Qualität der Ergebnisse hängt ausschließlich vom Engagement der Teilnehmer ab.
9. Tipps aus der Praxis
- Vertrauen Sie dem Prozess: Auch wenn es anfangs chaotisch wirkt, funktioniert der Prozess. Wichtig ist, nicht einzugreifen und ihn einfach laufen zu lassen.
- Das „Zwei-Beine-Prinzip“ ist entscheidend: Erinnern Sie die Teilnehmer daran, es aktiv anzuwenden. „Hummeln“ (Menschen, die verschiedene Diskussionen bestäuben) und „Schmetterlinge“ (Menschen, die sich einfach nur entspannen und Raum für Gespräche schaffen) sind ein wichtiger Bestandteil
.- Sorgen Sie für einen guten Moderator.